08.07.2025 - 07:31
Freitag, der 04.07.2025 sollte ein sehr erlebnisreicher und erfolgreicher Tag werden. Nachdem am Anfang der Woche schon eine sehr gute Prognose für diesen Tag stand, beobachtete ich weiter jeden Tag die Entwicklungen. Es blieb weiter sehr stabil, sodass ich am Donnerstagvormittag den Entschluss gefasst habe mir frei zu nehmen, um das gute Wetter zu nutzen. Gina, meine Freundin und ambitionierte Co-Pilotin, hatte ebenfalls frei und wir entschlossen uns, gemeinsam zu Fliegen. Unser Problem, der Duo Discus unseres Vereins befand sich derzeit im Fliegerurlaub in Zell am See. Doch nicht Fliegen war keine Option! Also mussten wir nehmen, was noch in der Halle stand. Ein Puchacz, welcher sonst zur Schulung eingesetzt wird, war unsere Alternative. Aber damit 400 km fliegen? Ist das machbar? Nach kurzen Überlegungen, ob wir das wirklich machen wollen, stand der Entschluss fest. Ja, wir machen das!
Jörg erklärte sich abermals spontan bereit, den Schlepp zu übernehmen, und Ralf besetzte das Funkgerät.
Vielen Dank euch beiden – ohne euch wären wir am Boden geblieben!
Start um kurz nach elf – und dann lief’s
Am Freitag war nach dem Aufwachen die erste Handlung bei Skysight nachzuschauen, ob die Prognose weiterhin so gut wie die letzten Tage war. Keine Enttäuschung, das bunte Bild zeigte weiterhin erfreuliche Farben.
Meine bereits ausgedachte Aufgabe passte sehr gut in die Vorhersage und einem Start um 11 Uhr stand nichts im Weg.
In Bronkow angekommen bereiteten Gina und ich alles vor. Flugzeug aus der Halle holen, Vorflugkontrolle durchführen und persönliche Dinge für den Flug im Flugzeug unterbringen. Jetzt die Frage. Puchacz, Schulungsflugzeug, Steckenflugequipment? Fehlanzeige. Also mussten wir auf die guten alten ausrangierten Tablets der Vereinseinsitzer zurückgreifen, um uns über unsere Strecke zu navigieren. Nach meinem Stromausfall vom vergangenen Wochenende wollte ich diesmal nicht auf den Nano verzichten.
Alles war vorbereitet, Jörg hatte die Wilga gecheckt, Ralf war am Funk, die Wolken standen und um 11:15 hieß es dann: „Seil straff“, auf geht’s, das Abenteuer kann beginnen. Schon im Schlepp zeigte sich, dass die Thermik sehr aktiv war. Zügig waren wir auf 800 m angekommen und kuppelten aus.
„Viel Spaß und Erfolg“ wünschte uns Jörg noch über Funk, bevor er abdrehte und die Wilga wieder nach Hause flog.
Uns war klar, dass wir nicht lange mit dem Abfliegen warten sollten. Also ran an die Basis, raus aus dem Startzylinder und ab Richtung der erste Wende. Dank des Windes reihten sich die Wolken schön auf und der erste Schenkel sollte sehr entspannt vonstattengehen.
Nach 20 Minuten kam uns schon Helge in seiner ASH 25 aus Wilsche entgegen. "Wenn er diesen Weg auf sich genommen hat, wird es ja wohl doch nicht so zeitig abtrocknen wie vorhergesagt". Das war ein Gedanke, der mir durch den Kopf ging und der mich etwas beruhigte
Da ist sie, die erste Wende Herbersdorf. Es waren zwar nur 50 km, aber irgendwie hat es sich schon an diesem Punkt wie ein Erfolg angefühlt. „Schatz, ab jetzt haben wir Rückenwind!“, sagte ich zu Gina, flog eine hochgezogene Fahrtkurve und richtete die Schnauze auf den neuen Kurs aus. An Euphorie und Freude mangeltees im Cockpit definitiv nicht.

Nun, dank des Rückenwindes etwas schneller, ging es weiter auf dem ca. 130 km langen Schenkel nach OsnoLubuskie. Die Basis stieg stetig an, die Steigwerte wurden immer besser und nach zwei Stunden Flug näherten wir uns der Wolkenuntergrenze, die inzwischen bei 2000 m lag.
Doch dann kam er, der „Point of no return“. Wenn wir jetzt weiterfliegen, ziehen wir bis zum Ende durch, egal wie es ausgeht. Aber wieder war die Antwort einstimmig, wir machen das jetzt! Also weiter mit Vollgas. (immerhin ganze 130 km/h) Unter einer kleinen Aufreihung konnten wir sogar für ein paar Minuten mal 150–160 km/h fliegen. Das hat die Stimmung nochmal enorm gesteigert. Nach diesen aufregenden Minuten war es fürGina an der Zeit, ihr für Streckenflüge übliches Mittagsschläfchen zu halten. Im Puchacz nicht so bequem wie im Duo Discus, aber genauso zielführend.

Die zweite Wende war genommen, 180 km waren bis dahin bereits zurückgelegt und es ging in eine uns sehr vertraute Ecke Polens. Wendepunkt 474 (Węgliniec), eine Zahl, die der Großteil unserer Streckenflieger im Verein bereits auswendig kennt. Und auch an diesem Tag sollte uns das Wetter auf polnischer Seite in unsere Karten spielen. Ca. 2 Stunden brauchten wir, um den 130 km langen Schenkel abzufliegen. Ich muss sagen, es wäre auch schneller gegangen, aber mittlerweile haben wir uns an unsere entspannte Vorfluggeschwindigkeit gewöhnt und herumkommen war ja unser Hauptziel.
Wir nutzen den Schenkel, um uns die schöne Landschaft anzuschauen. Obwohl wir häufig an der Landesgrenze fliegen, ist es immer wieder schön zu sehen, wie sich die Oder vom Süden in den Norden schlängelt, die großen polnischen Wälder, die sich augenscheinlich bis zum Horizont erstrecken und auf deutscher Seite markante Städte wie zum Beispiel Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt, Guben und Forst. In Węgliniec angekommen, realisierten wir erst, dass wir jetzt „nur noch“ nach Hause müssen, um unsere Aufgabe zu erfüllen.

Im Schneckentempo gegen den Wind näherten wir uns Rothenburg und waren somit wieder auf deutscher Seite angekommen. An eine Außenlandung war nicht zu denken, aber es war dennoch schön zu wissen, dass eine eventuelle Rückholtour von nun an immer kürzer werden würde. Langen INFORMATION bescherte uns eine weitere gute Nachricht. Das ED-R 76 war frei und wir konnten der optisch besten Linie einfach folgen. Die Tagebau-Landschaften zeigten sich und wir wussten, gleich ist es geschafft. Erleichterung im Cockpit. Nicht zu fassen, wir haben es tatsächlich fasst geschafft! 400 km im Puchacz, Wahnsinn! Mittlerweile ging es in unsererVereins-Whatsapp-Gruppe heiß her, denn immer mehr Mitglieder fieberten mit. Jeder war begeistert und hat uns die Daumen gedrückt. Dieses Gefühl einen so großen Teamgeist genießen zu dürfen ist einfach unbeschreiblich. Ein großes Dankeschön nochmal an euch alle!
Ich habe die letzten Kilometer vor Bronkow über etwas nachgedacht, und die Stimmen in der Gruppe bestärktendann meine Gedanken…
400 km – und jetzt?
Wir haben unser Ziel erreicht und sind nach 5 Stunden Flugzeit und 400 Kilometern wieder am Platz. Die Wolkenabstände wurden zwar allmählich größer, aber bei 2500 m Basis, stört einen das selbst im Puchacznicht mehr. Eine Frage schwirrte nun durch das Cockpit. Sollen wir noch auf 500 km verlängern? Wir wurden angefeuert es zu probieren und konnten es uns zum Schluss nicht nehmen lassen: „Challenge accepted“. Trotz Popo-Aua, Hunger und kalten Füßen, hieß es Zähne zusammenbeißen und wir flogen nochmal nach Nordosten ab. Ein Stück vor Dahme mussten wir dann schon umdrehen, weil uns dort ein großes blaues Loch erwartete. Also ging es mit Rückenwind zurück zumPlatz, wo wir die letzten fehlenden Kilometer in Richtung Altdöbern sammelten.

Zur Freude aller waren es jetzt wirklich knapp über 500 km. Einfach nur WOW!. Ohne die gegenseitige Motivation im Cockpit und den Support unserer WeGlideZuschauer hätten wir diese Zahl vermutlich nicht erreicht.
Umso schöner ist es, jetzt auf das Erlebte und Erreichte zurückzuschauen und zu erkennen, wie sehr wir im Verein zusammenhalten und einander unterstützen.
Dieser Flug hat mir persönlich gezeigt, dass es nicht das Flugzeug ist, worauf es ankommt. Die eigene Überzeugung, dass man so etwas schaffen kann, die Unterstützung aller in jeglicher Form und den Spaß am Fliegen zu haben, das lässt solche Flüge möglich werden. Klar muss man auch Zeit dafür haben. Aber manchmal muss man sich die Zeit nehmen für etwas, was man wirklich will, nicht nur in der Fliegerei.
Danke für das schöne Erlebnis!