Fliegerclub Bronkow e.V.

Alpenfluglehrgang Unterwössen 2019


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21.06. - Es geht los!

Am Freitag den 21. Juni ging es los zum Alpenfluglehrgang nach Unterwössen. Kurz vor 11 traf ich in Bronkow ein und fuhr nur wenige Minuten später mit dem Jantar im Schlepptau wieder ab. Die Reise war lang, aber unspektakulär. Gegen 18 Uhr traf ich am Unterwössener Flugplatz ein. Die vergleichsweise niedrigen Vorgebirgshügel waren dennoch schon sehr beeindruckend für mich. Hier fliegen wir also? Oh man!

22.06. - Checkflüge

Am Samstag war der offiziell erste Tag des Lehrgangs. Nach der Anmeldung im Büro der Flugschule trudelten die Teilnehmer nacheinander in einem Seminarraum am Flugplatz ein. Nach dem wichtigen Verteilen des Kaffees (viele hatten eine weite Anreise) wurde eine kurze Kennenlernrunde veranstaltet. Die Zusammensetzung hätte unterschiedlicher nicht sein können, sowohl vom fliegerischen Hintergrund als auch vom Privaten. Mir fiel einmal mehr auf, wie genau das unseren Sport ausmacht.

Anschließend wurde organisatorisches durchgesprochen (Wer hat welchen Flieger dabei? Ist hier schonmal jemand geflogen? Kann jemand mehr Kaffee machen?) und die örtlichen Gegebenheiten näher erläutert. Besonders die Darstellung der einzelnen Landeoptionen aus einem Startabbruch im F-Schlepp wurden heiß diskutiert.


Wer noch keinen Checkflug in Unterwössen hatte, wurde anschließend zum Start geschickt. Die Checkflüge mit Fluglehrer bestanden aus normalen Starts und Startabbrüchen an F-Schlepp und Winde. Besonders die Bayernkurve (eine Umkehrkurve aus einem Windenseilriss) war sehr interessant zu fliegen. Dabei wird nach dem Auskuppeln eng nach Rechts an den Hangausläufer geflogen, um mit einer langgezogenen Umkehrkurve mit Rückenwind zum Flugplatz zurückzukehren.


Spät am Nachmittag wurde noch eine Themensammlung für Schlechtwettertage zusammengestellt, noch nicht wissend, dass wir aufgrund des furchtbar guten Wetters kaum Gelegenheit dafür haben würden.

23.06. - lokale Platzflüge

Der Sonntag gab noch kein passables Flugwetter her. Von der Themensammlung suchten wir uns etwas für Alpenneulinge heraus: An- und Abflugrouten für die erwarteten Strecken der nächsten Tage. Auch wurde uns die nähere Flugplatzumgebung im 3D Modell von Google Earth gezeigt. Für mich eine sehr hilfreiche Methode, vieles davon erkannte ich bei den ersten Flügen wieder, was zusätzliche Sicherheit erzeugte.

Am Nachmittag wurden noch die Flugzeuge aufgerüstet, da für Montag schon sehr gutes Wetter in den Alpen vorhergesagt war. Ich selbst habe nach dem Aufrüsten sogar noch einen Start um 17:30 gemacht, um den F-Schlepp und die nähere Umgebung kennenzulernen. Am Reschenberg direkt neben dem Ort Unterwössen habe ich ausgeklinkt und bin einige Runden auf der Suche nach abendlicher Thermik geflogen. Zwischen den tief liegenden Wolken konnte ich hinter den "Vorgebirgshügeln" schon die größeren Steinhänge weiter im Süden sehen, was meine Aufregung für die nächsten Tage noch verstärkte.

24.06. - Einweisungsflug in die Dolomiten

Pünktlich um 09:00 Uhr begann das Wetterbriefing des ersten fliegbaren Tages. Bei der Aussicht auf Warmluft schlug mein flachland-gewöhntes Fliegerherz nicht gerade höher. Lehrgangsleiter Jan erklärte, dass das in den Bergen nicht notwendigerweise eine Problem ist, sofern man nur in Gelände fliegt, dass so hoch wie möglich ist. Großartig! Langsames herantasten war damit gestrichen.

Ich durfte am ersten Tag direkt im Duo Discus mit Jan Platz nehmen. Nach dem Einsammeln der Einsitzerpiloten flogen wir über die besprochene Abflugroute "Hörndlwand-Steinplatte-Loferer Steinberge" in Richtung Alpenhauptkamm. Bei Zell am See bogen wir nach Westen ab und flogen den Pinzgau entlang zum Zillertal. Die Thermik wurde tatsächlich von Berg zu Berg mit ansteigendem Geländer besser und im wendigen "original" Duo Discus fühlte ich mich wohl. Kurz hinter dem Zillertal sprangen wir dann auf die Alpensüdseite, von der wir die Dolomiten sehen konnten. Das Wetter gab uns die Möglichkeit entweder Strecke in Richtung Osten zu machen oder zum Sightseeing in die Dolomiten abzubiegen. Letzteres wurde von allen Mitfliegern lautstark befürwortet und so bogen wir ab in Richtung Italien. Dort gab es zwar weniger Außenlandemöglichkeiten, aber wahnsinnig tolle Aussichten. Da die Thermik in den Dolomiten weniger gut war als erwartet, glitten wir nach dem kurzen Besuch der drei Zinnen zurück in Richtung norden. Auf dem Rückflug hatten wir durch gestiegene Basis die Möglichkeit, direkt über den Alpenhauptkamm zurück in den Pinzgau zu springen. Wir flogen große, steinige Quergrate entlang, wo so gut wie keine menschliche Zivilisation zu sehen war.

Ab dem Zillertal verteilten sich die Flugzeuge zunehmend. Einige flogen schon nach Hause, andere verlängerten ihren Flug noch etwas. Wir bogen in Richtung St. Johann (in Tirol) ab und hatten noch genug Höhe, um an den Loferer Steinbergen etwas Hangflug zu üben ("näher an den Berg, Stefan! Näher!!"). Von St. Johann aus waren für die anstehenden, sehr heißen Tage bessere Startbedingungen für die schweren Flugzeuge erwartet, also landeten wir dort.

Tagesfazit: Sehr, sehr beeindruckender, großartiger erster Alpenflug, ~400km auf der Uhr, schon den Hauptkamm und die Dolomiten gesehen und Sicherheit in den Bergen gewonnen. Mein Minimalziel für den gesamten Lehrgang war bereits erreicht.

25.06. - erster Jantarflug

Nach dem sehr guten Einführungsflug vom Vortag stand heute der erste Flug allein im Jantar auf dem Programm. Das morgendliche Wetterbriefing zeigte nur marginale Änderungen zum Vortag. Die geflogene Abflugroute ging auch allein hervorragend, nur wurde ab den Loferer Steinbergen in Richtung Osten geflogen. Der Leithammel war für die Clubklasse-Gruppe heute eine ASK21 mit einem Lehrer der DASSU. Ich flog mit dem Jantar teilweise schon etwas vor und betrieb Sightseeing, bis der Schuldoppelsitzer zu uns stieß. Besonders beeindruckend war der Flug am Hochkönig und dem steinernen Meer vorbei. Am Grimming dann kehrten wir um und flogen nach wenigen Kilometern auf die Südseite des Pinzgau in die Niederen Tauern. Die angeflogene Rippe quer zum Hauptkamm wurde im Vergleich zur vorigen Flughöhe eher niedrig erreicht, trug uns aber wie eine Zahnradbahn entlang des Grates mit 3-5 m/s Steigen im Geradeausflug nach oben. Dort begannen wir dann entlang des Hauptkammes von Rippe zu Rippe zu springen. Das Wetter war dort jedoch schlechter als erwartet und unser Trainer in der ASK21 grub sich tief ein und wäre beinahe außen gelandet. Unsere Clubklasse Gruppe flog vorsichtig weiter und fand sich kurz vor der Talquerung zurück in den Norden auf einmal unter der 3800m Basis wieder, 800m mehr als über den ganzen bisherigen Flug. Von dort aus wurde ein entspannter Endanflug in Richtung Unterwössen unternommen. Am Abend standen heute 315km auf der Uhr und die freudige Gewissheit, dass der Jantar durchaus sehr gebirgstauglich ist.

26.06. - Gold-C Höhe im Hochgebirge

"Der Jantar darf sich dann aussuchen, ob er in mit der ASK in der Clubklassegruppe mitfliegt oder mit dem Duo und den großen Fliegern." Puh, da war ich erstmal Baff. Die großen Flieger bestanden aus zwei Ventus 2, einer ASH31 und dem Duo Discus, vervollständigt von der LS4 meines Arbeitskollegen. "Ich schau mal, ob ich dran bleibe.", antworte ich vorsichtig. Die Standard Abflugroute der letzten Tage flog ich schon mit einer gewissen Sicherheit ganz allein. Da die ASK21 nirgends zu sehen ist, hänge ich mich ab den Loferer Steinbergen also an den Duo dran. Bis zur Rennstrecke im Pinzgau ist es etwas puzzelig, aber ich sage mir immer wieder, dass ich ja auch den schlechtesten Flieger habe. Immerhin steige ich im Vergleich zu den Großen etwas besser.

Ab dem Zillertal steigt die Basis dann kräftig bis auf über 4000m MSL an. Die Sauerstoffkanüle hatte ich mir in einer ruhigen Minute schon wesentlich früher übergezogen und mich mittlerweile an das Geräusch des Pulsgebers gewöhnt. Die Quergrate sind nun wesentlich höher, einige Gletscher und große Schneeflächen zu sehen. Außenlandeoptionen werden regelmäßig von Jan aus dem Duo durchgegeben, aber die Gefahr einer Außenlandung war bei den Basishöhen und Steigwerten eher gering. Dennoch war es ein beruhigendes Gefühl, im Falle eines Absaufers die Optionen zu kennen. In den Ötztaler Alpen dann erreichte ich meine größte Höhe von knapp über 4700m MSL. Ich rechne kurz im Kopf meine Auskuppelhöhe bei Unterwössen zurück. Es müsste knapp für die 3000m Startüberhöhung für die GoldC reichen. Zur Sicherheit mache ich noch ein paar Meter mehr und bekomme schon Glückwünsche über Funk übermittelt. Hatte ich das Jan gegenüber vorher erwähnt? Der Rückflug war spannend, da wir für meine Begriffe recht nah über die hohen Berge und Schneefelder flogen und die Thermik auch etwas schlechter wurde. Ich flog nun doch eher in Clubklasse Geschwindigkeit (bis 130-140) hinterher, um nicht zuviel Höhe zu verbrauchen.

Hinterm Brennerpass fummelten wir noch einmal auf Grathöhe eine Weile herum, bis uns ein guter Bart über den letzten Berg und auf Endanflugkurs brachte. Der sehr lange Endanflug aus 90km Entfernung zog sich eine ganze Weile, aber durch die tote Luft glitt der Jantar trotz vieler Mücken an der Fläche mit gut 34:1 nach Hause.

27.06. - selbstverordneter Ruhetag

Nach dem vielen Input der ersten drei Flugtage verordnete ich mir einen Ruhetag. Hauptsächlich nahm ich mir Zeit für meine Dokumente und die Formulare für die Beantragung der GoldC. Ich hatte schonwieder vergessen, wieviel Papierkram das alles war.

Ein paar andere Teilnehmer versuchten den Tag zu nutzen, aber kamen kaum vom Flugplatz weg. Da hatte ich ja offenbar den richtigen Riecher. Aufgrund angesagter Gewitter entschieden wir uns, die Flugzeuge abzurüsten. Ähnlich wie in Bronkow war das jedoch vergebliche Müh. Kein Gewitter traf den Platz oder die Umgebung...

28.06. - weiterer Flug in die Gletscher

Heute wollte ich wieder Fliegen. Das Wetter ähnlich wie an den vorigen Tagen. Das klingt zwar langweilig, hatte aber für mich den Vorteil, dass ich bei reproduzierbaren Bedingungen mehr Erfahrung und Übung in den Alpen bekam. Der Abflug natürlich über die Standardroute, wobei ich diesmal nicht auf die DoSi Crew wartete. Diese traf ich dann bei Saalbach wieder. Es ging ein weiteres Mal über die Gletscher, jedoch bei schwächerer Thermik und niedrigerer Basis als die Tage zuvor. Zweimal mussten wir uns recht tief am Hang wieder hochkämpfen. Bei umlaufenden Bergen war die Optik für mich als Flachlandflieger ziemlich gruselig. Ich atmete tief durch und besonn mich auf das fliegerische Handwerk: ausreichend Überfahrt am Hang, Fluchtrouten zu den Außenlandefeldern im Blick und Achten ziehen bis der Bart über dem Gipfel ablöst. Die Schnittgeschwindigkeit ist an solchen Tagen im Gebirge wesentlich niedriger als an den meisten Tagen im Flachland, aber durch die ständig wechselnde Landschaft bemerkt man das kaum. Abends der schon "übliche" Heimflug aus 3400m MSL.

29.06. - Jantar in den Dolomiten

"Heute könnten wir ja malwieder in den Süden fliegen.", lässt Jan morgens verlauten. Jippie, einmal über den Hauptkamm bitte! Bis zum Pinzgau komme ich schon alleine. Dort wurde ich natürlich von den großen Fliegern aufgerollt, aber bitte...die haben auch das 5-fache für ihre Orchideen bezahlt. :-) Bei Mittersill bogen wir plötzlich rechtwinklig nach Süden ab und sprangen an einer mir nicht gut ersichtlichen Stelle über den Hauptkamm. Da hinter dem Hauptkamm erstmal kein gutes Steigen kam, flogen wir den Taleinschnitt bis zu einem kleinen Vor-Hügel an der Tauernautobahn in der Nähe vom Großglockner entlang. Dort entlud sich die angestaute Warmluft und trug uns wieder über die Gipfel. Auf diesem Hügel sah ich eine kleine Berghütte, aus der plötzlich eine hand voll Wanderer gestolpert kamen. Die wurden wohl vom Zischen der Flugzeuge aufgeschreckt. Bei Lienz sprangen wir weiter nach Süden in die Dolomiten. Diesmal kamen wir aus Nordosten, statt aus Nordwesten und ich erkannte die Berge, die ich vor ein paar Tagen gesehen habe nur schwerlich wieder. Die drei Zinnen sind mir jetzt aber schon ein Begriff. Wir schrubben alle keine Kilometer sondern flogen für das Sightseeing etwas Zick-Zack durch die Region. Da es nördlich der Dolomiten insgesamt besser war und der Tag sich allmählich dem Ende zuneigte, flogen wir in Richtung Brennerpass, um wieder auf die Nordseite des Alpenhauptkammes zurückzukehren. Nach einer langen Gleitstrecke sahen wir bei Vals mehrere Gleitschirme kreisen. Über einem Gipfel kreiste unsere Gruppe in einem kräftigen Bart ein und war schnell auf der Höhe eines einzelnen Gleitschirmes, der diesen Aufwind ebenfalls ausflogt. Von fünf Segelflugzeugen umgeben blieb ihm mangels "Ausgang" keine Wahl, als den Aufwind bis auf unsere Abflughöhe zu nutzen.

Da wir schon vor dem Brennerpass und vor dem Flugplatz Sterzing einen ordentlichen Aufwind bekamen, bogen wir einen Quergrat früher als geplant ab und sprangen über einen Pass des Alpenhauptkamms und glitten in Richtung Mayrhofen. Bei Krimml holte ich mir nochmal etwas Höhe und flog wie üblich über den Kaiser nach Hause.

30.06. - ein Jantar allein im Gebirge

Wir biegen auf die Straße zum Flugplatz ein und sehen in der Landebahnverlängerung schon eine große Menge an Flugzeugen. Heute ist Sonntag und im Wetterbriefing hören wir, dass im Gegensatz zu den vorigen Tagen stärker labilisieren soll. Bei Wolkenthermik werden alle Segelflieger nervös. Leider stieg auch die Temperatur nochmal an und eine leichte Westwindlage sorgte für Rückenwind am Start. MoSe/UL Schlepp + Rückenwind + große Hitze ergibt keine gute Kombination. Kurz vor dem Mittag wurde der Flugbetrieb eingestellt, auch die Schulungsflüge an der Winde wurden nicht fortgesetzt. Auf Anfrage erklärte sich die DASSU bereit, willigen Einsitzern noch je einen Start an der Winde zu ermöglichen. Wir überlegten kurz und stellten uns dann skeptisch an die Winde. Bei den Gegebenheiten dürfte auch der Haushang nicht gut funktionieren. Wir beobachteten Ortskundige, die sich in der Luft abmühten um oben zu bleiben. Kurz vor unserem Start frischte der Wind plötzlich auf und kam sogar aus der richtigen Richtung (von vorn!). In ca. 300m kuppelte ich aus und drehte sofort nach rechts zum Hang. Wir hatten tatsächlich Hangaufwind und achterten uns langsam in die Höhe. Über dem Gipfelkreuz bogen wir dann zum sogenannten Hausbart ab und fanden dort sehr tief unruhiges, aber konstantes Steigen. Als wir auf 2400m MSL angekommen waren und das Steigen sich bei 2.5m/s stabilisiert hatte wussten wir, dass wir es geschafft hatten. Jetzt ging der eigentliche Flug in die Alpen los.

Ohne Leithammel (der schon zwei Stunden zuvor von St. Johann gestartet war) mussten wir uns selbst Gedanken über die passende Route machen. Zunächst ging es an den Hügeln am Vorgebirge entland nach Westen. Bevor die Lufträume von Innsbruck zu stören begannen, bogen wir Richtung Süden ab und querten das Inntal. Nach einer längeren Gleitstecke fanden wir kurz vor dem Pinzgau wieder sehr gutes Steigen. Anschließend ging es weiter in Richtung Westen über den Brenner und das Ötztal. Hier wurde das Wetter immer besser, aber durch eine Unachtsamkeit fand ich mich plötzlich nicht an den Wolken weit über Grat, sondern neben und teilweise unter den Gipfeln der Berge wieder. Es ist eben doch anders, als im Flachland den Wolken hinterherzujagen. Das gelernte anwendend (und die Außenlandeoptionen im Blick) flog ich über den nächsten Quergrat und suchte nah am Gelände nach Ablösepunkten. Nach zwei erfolglosen Versuchen leichtes Geblubber in Steigen umzusetzen hob es mich zwischen zwei Gipfeln plötzlich kräftig nach oben. Schnell kreiste ich steil ein, der Kreis durfte nicht zu flach sein damit genug Abstand zwischen mir und den umliegenden Steinen blieb und das Steigen optimal genutzt werden konnte. Nach nichtmal zwei Kreisen hang ich stabil in 3 m/s und hatte die umliegenden Berge überstiegen. Nach meinem Weiterflug kam kurz vor dem Ötztal der nächste Kracher. Direkt neben einer Seilbahnstation ging es mit knackigen 5-6m/s nach oben. Ab da konnte ich wieder in gewohnter Manier die Wolkenaufreihungen entlang fliegen. Auch meinen Mitflieger Martin holte ich wieder ein. Da wir an der Winde gestartet waren, erreichten wir mit knapp über 4000m Höhe ein weiteres Mal die GoldC Höhe. Ich erinnerte mich, dass Bundesligasonntag ist und versuchte jetzt meine Schnittgeschwindigkeit etwas zu optimieren. Nach der Wende kurz vor dem Kaunertalgletscher verlängerte ich meine Strecke über den Pinzgau und bekam so ~93 km/h Ligaschnitt zusammen. Im Nachhinein hätte ich im Westen auch weiter westlich Wenden und noch mehr Strecke und Geschwindigkeit herausholen können (die Aufreihung ging noch fast bis ins Engadin). Letztlich wollte ich meinen ersten fast alleinigen Flug nicht überstrapazieren. Mit viel Höhe und weiterem Steigen machte ich mich auf den Heimweg nach Unterwössen. Dort war ich noch so Hoch, dassich noch bis hinter den Chiemsee in völlig ruhiger Luft gleiten konnte.

Im Anflug auf Unterwössen schaukelte mich der leichte Rückenwind stärker durch als erwartet. Westwind erzeugte einiges an Turbulenz im Anflug auf den Flugplatz. Das alles war gut beherrschbar, jedoch bremste ich nach dem Aufsetzen etwas zu lange und zu stark, sodass die Jantar Bremse kurz vor dem abrollen in Richtung Gras plötzlich fest ging. Die HZ kippte mit 15-20 km/h auf Asphalt auf die Nase und mir klappten die Zähne zusammen. Autsch! Im Resultat fehlt dem Flieger etwas Lack auf der Unterseite der Nase und die erste Lage Glas ist ebenfalls leicht angefressen. Strukturell kein Problem, jedoch Arbeit für den Winter. Ich nehme mir vor, in Zukunft etwas weniger und sanfter abzubremsen.

Abends bauten wir die Flieger ab, da leichtes Gewitterrisiko bestand.

01.07. - Pausetag vorm Gewitter

Die Labilisierung verstärkte sich, was die Gewitterneigung heute verstärken sollte. Ich ließ den Jantar im Anhänger und entschied mich für einen Pausetag. Damit stand ich als Starthelfer für die anderen Piloten zur Verfügung. Viele hatten nicht aufgebaut. Am Start schauten wir immer wieder ins Regenradar. Die Gewitter bildeten sich schneller als erwartet (die angesagte Abschirmung existierte nicht, wodurch mehr Einstrahlung schnellere Gewitterbildung begünstigte) und so entschieden alle, den Tag abzubrechen.

Da die nächsten Tage nicht sonderlich fliegbar vorhergesagt waren, packten ein Ventuspilot und ich unsere Sachen und fuhren am späten Nachmittag nach Burg Feuerstein, um die nächsten Tage dort zu fliegen. Die Vorhersage lockte mit 800km-Wetter.

02.07. - Feuerstein Part I (das verhinderte 750er)

Nach einem sehr schönen Frühstück in einem Gasthof in Ebermannstadt fuhren wir hoch zum Flugplatz, der auf einem Plateau liegt. Dort meldeten wir uns an, rüsteten auf, quatschten, gingen zum Briefing und tankten unsere Flieger. Die Atmosphäre war entspannt und viele Streckenflugmotivierte tummelten sich am Startplatz. Meine Aufgabe für das 750er Dreieck war gesetzt. Gestartet wurde hinter einer Remo vom asphaltierten Rückholstreifen. Nach einer Woche Mose Schlepp war die Remo was die Steigwerte anging eine echte Wohltat. Schon nach dem Auskuppeln war ersichtlich, dass das Wetter nicht ganz so gut war, wie von allen drei Wetterprogrammen (DWD, Topmeteo, Skysight) vorhergesagt. Da die Tageszeit aber noch lange ausreichte, machte ich mich auf den Weg in Richtung erster Wende im südlichen bayrischen Wald. Die Wolkenstraßen am Horizont schienen sich immer weiter zu verschieben und die Flusen um mich herum trockneten zunehmend ab. So hatte ich mir den Tag nicht vorgestellt.

Noch vor der geplanten Wende verwarf ich meinen Plan und glitt in Richtung Norden. Dort war besseres Wetter zu sehen, jedoch war das vorankommen mühsehlig. Genau über dem Flugplatz Tirschenreuth waren die ersten Wolken und der Einstieg in die Wolkenstraßen zu sehen. Laut Rechner eine Ankunftshöhe von 650m über dem Flugplatz. Nicht viel, aber es sollte reichen und wenn nicht ist der Flugplatz genau unter mir. So dachte ich zumindest. Noch 25km vom Flugplatz entfernt war nur noch großräumiges Sinken anzufinden. Mit durchgehend -2 bis -3m/s ging es abwärts. Da half mir auch das schnelle Vorangleiten mit Wasser nicht viel. Über einem Talkessel entschied ich mich das Wasser abzulassen und den Sprung über das nächste große Waldgebiet nicht ohne wenigstens ein bischen Höhengewinn zu wagen. Die Landemöglichkeiten waren sehr überschaubar. Es kam nur ein Acker richtig in Frage. Dieser hatte einen Anstieg von geschätzten 10 Grad und es musste mit 20 km/h Rückenwind gelandet werden. Immerhin war der Anflug komplett frei. Ich versuchte noch tief gegen den Wind Thermik zu finden, aber bei den Windstärken wurden sämtliche Ablösungen turbulent zerblasen. Ich entschied mich für die Landung und machte einen langen tiefen Anflug auf das Feld.

Ein höherer Anflug wäre nicht empfehlenswert gewesen bei dem Rückenwind. Mit halben Klappen flog ich über Felder und das vorgelagerte Dorf. Kurz vor dem Aufsetzen verlor ich plötzlich an Fahrt und der Jantar bewegte sich fast senkrecht nach unten. Sofort fuhr ich die Klappen ein um den Auftrieb wieder zu erhöhen und genau in dem Moment setzte sich der Vogel sanft auf den harten Acker und rollte ruhig den Berg nach oben. Mit einem Grinsen stieg ich aus dem Flieger. Der Tag hatte nicht gehalten, was er versprochen hatte, aber es hatte dennoch viel Spaß gemacht hier zu fliegen. Die Landung war anspruchsvoll aber letztlich völlig problemlos. An die fehlgeleitete Wetterprognose und den 750er Plan dachte ich erstmal lieber nicht.

Da mein Helfer selbst noch flog hatte ich viel Zeit und unternahm ein paar Wanderungen in der Umgebung. Nach guten 5 Stunden wurde ich dann eingesammelt und wir fuhren zurück nach Feuerstein.

03.07. - Feuerstein Part II (Spaß im Thüringer Wald)

Heute wachte ich sehr müde auf. Klar, die Nacht war durch die späte Rückholtour sehr kurz. Ich wollte dennoch nochmal hier fliegen, aber ich setzte mir eine Zeitbegrenzung. Zum Einen wollte ich mich nicht zu sehr strapazieren, zum Anderen stand abends die Rückfahrt nach Unterwössen auf dem Programm. Im Norden über dem Thüringer Wald waren Wolkenreihungen vorhergesagt und nach dem Start waren diese auch schon in der Ferne zu sehen. Bei guten bis sehr guten Steigwerten im Blauen arbeiteten wir uns bis nach Suhl vor.

Dort sprangen wir auf die Achse des Thüringer Waldes und flogen mit wenig Kreisen hin- und her. Hier war auch jede Menge anderer Segelflugverkehr, in meinem Flarmradar bewegte sich ein wilder Mückenschwarm umher. Als zweite Wende wählten wir Bayreuth. Die Abtrocknung kam jedoch wieder früher als erwartet und so entschieden wir uns recht schnell zum Heimflug nach Feuerstein. Mit langen Gleitstrecken aber insgesamt wenig Problemen landeten wir nach schönen 4 Stunden und 312 Kilometern wieder in Feuerstein und bereiteten die Flieger für die "Heimfahrt" nach Unterwössen vor.

04.07. - Zurück in Unterwössen

Ausgeschlafen ging es nach dem üblichen Frühstück auf den Flugplatz. Der Jantar wurde wieder aufgerüstet und für die Strecke vorbereitet. Das Wetterbriefing sagte ausreichend Labilisierung für Wolkenthermik voraus und von der Richtung her sollte es mal in Richtung Osten gehen, nachdem wir in der Vorwoche fast ausschließlich im Westen unterwegs waren. Die Basis war tiefer vorhergesagt, was aber im absinkenden Gelände in Richtung Osten weniger zum Problem werden sollte.

Da ich einer der Ersten in der Luft war hangelte ich mich über die bekannte Abflugroute schon sourverän in Richtung Osten. Am Hochkönig und Steinernen Meer entlang ging es in Richtung Tennengebirge. Die höheren Steinberge steckten teilweise noch in den Wolken, an denen man zusätzlich noch vorbeisteigen konnte. Mit gehörigem Respektsabstand umfliege ich Wolken und Gelände, um nicht nach dem Sprung durch ein Wolkenloch direkt vor einem Berg aufzutauchen. Nach dem Tennengebirge bei Sankt Martin quere ich in Richtung Süden an die niedrigeren Waldhügel. Dort sieht die Wolkenoptik auch fantastisch aus und als Bonus gibt es mehr Abstand zwischen Gelände und Wolken. Dort ankommend werde ich auch von der Meute aus Unterwössen überholt. Zwei Bärte später, kurz vor dem Grimming bei Niederöblarn war ich wieder mit der Gruppe zusammen. Am Wendepunkt in der Nähe von Timmersdorf wurde es kurz etwas fummelig aber ansonsten gleiten wir entspannt die Rennstrecke entlang. Auf dem Rückweg wählten wir die Südseite des Pinzgau und flogen damit wieder näher am Gelände, was aber auch Optisch eindrucksvoller ist. Abwechselnd flogen einzelne der Gruppe vor und werden vom Pulk wieder eingeholt. So ging es bis Zell am See, wo sich die Gruppe entgültig in kleinere Teams aufteilte. Ich wollte heute die 500km in den Alpen voll machen und es fehlte nicht mehr viel. Zudem suchte ich noch einen Bart bis an die Basis, der mir die Querung des Pinzgau ermöglichte und damit den Endanflug. Auf dem Weg dorthin trafen wir eine große Gruppe von 15 Geiern, die Thermik flogen. Vorsichtig ordneten wir uns in deren Kreis ein und Stiegen mit satten 3 m/s bis an die Basis.

Den Bart der uns über den Pinzgau nach Norden führen konnte fanden wir bei Neukirchen am Großvenediger und bog dort mit einem weiteren Teilnehmer in einer LS4 in Richtung Wilder Kaiser ab. Dieser war schon in den letzten Tagen mein Wegpunkt für den Endanflug, da der einfließende Wind aus dem Flachland dort auch am Abend einen ziemlich zuverlässigen Hangwind liefert. Noch vor Hopfgarten holten wir uns nochmal etwas Höhe, wobei ich dabei die LS4 verlor, die Mühe hatte tief am Gelände den Aufwind auszufliegen. Am Zahmen Kaiser, nördlich vom Wilden Kaiser gab es den erwarteten Hangaufwind und ich zog dort auf Grathöhe meine Achten, bis der LS4 Pilot dort an kam und auch sicher seine Höhe für das Heimkommen nach Unterwössen erfliegen konnte.

05.07. - Starker Westwind und Abschlussflug

Ab diesem Tag trat eine deutliche Wetterverschlechterung ein. Ich hatte mir nach dem großartigen Vortag ohnehin vorgenommen einen entspannten Abschiedsflug und dann in Ruhe den Flieger fahrbereit zu machen. Letztlich gondelten wir alle im engeren Umkreis um Unterwössen umher und probierten die verschiedenen Hänge aus und versuchten die vorhergesagten Wellen zu finden (die es aber scheinbar doch nicht gab).

06.07. - Heimreise

Am 6. Juli war überraschend besseres Wetter als vorhergesagt. Nach den vielen Flügen wollte ich dennoch meine Heimreise antreten. Ich half noch bei den Starts und rollte dann gegen 12 in Unterwössen los in Richtung Heimat. Kurz nach 7 traf ich dann in Bronkow ein und ging auch unwesentlich später schlafen.

Zwei Wochen Alpen in Zahlen:

  • Flüge: 11
  • Flugstunden: 59
  • Flugkilometer: 3660
  • Bodenkilometer: 2250
  • GoldC Höhe erflogen: 2
  • Sonnenbrillen am letzten Tag verlegt: 1

Flüge im OLC

Flüge bei Skylines (bessere Geländedarstellung und Statistiken)