Fliegerclub Bronkow e.V.

Überführung der Piper von Großbritannien


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1. Vorbereitung und Anreise nach UK

Das Abenteuer Ferryflug begann mit der Idee die kürzlich erworbene Pawnee von England nach Deutschland zu überführen, nachdem endlich der 4-Blatt-Propeller gegen einen überholten 2-Blatt-Prop ausgetauscht wurde.

Ich habe einige Tage Planung mit dem Programm Skydemon verbracht sowie mit einer Schwimmweste, Thermohosen und Socken vorgerüstet.

Die Vorhersagen für Sonntag, den 01.12.2019 bis einschl. Dienstag, den 03.12.2019 waren ursprünglich recht gut, verschlechterten sich aber, je näher der Termin kam.

Am 29.11.2019 flog ich von Berlin nach London Gatwick, dann mit dem Zug nach Basingstoke, wo mich Paul, der Kollege aus dem englischen Verein aufgesammelt hat.

Wir fuhren nach Lasham (EGHL), von wo aus der Ferryflug beginnen sollte.

2. Lasham und Übernahme des Flugzeugs

Lasham ist vermutlich der größte europäische Segelflugverein. Es ist jede Menge Betrieb, tolles Gelände.

Gegen Mittag traf Tony, der Chef des Vereins mit dem Flieger von Keevil in Lasham ein und ich flog die erste Platzrunde mit dem neuen Propeller. Der Umbau hat sich gelohnt. Auch Paul flog noch eine Platzrunde. Ich bin froh, daß wir den Prop vor denen gekauft haben, da wir sie überzeugt haben, daß der 4-Blatt-Prop unsinnig ist.

Übernachtet habe ich bei Paul in Warminster, ca. 1h Fahrt von Lasham entfernt, da es recht kalt war.

Am Sonntagmorgen fuhren wir um 07:00 Uhr (Zulu) in Richtung Lasham ab und fuhren mit einer Bemerkung, ach Übrigens da drüben ist Stonehenge, mal eben an einer der größten Sehenswürdigkeiten Englands vorbei.

3. Flug auf das Festland

Auf Grund Notams öffnete der erste Flugplatz, Zollflugplatz Lydd, direkt an der Kanalküste erst um 10:00, insofern flog ich um 09:00 Uhr ab.

Es war ziemlicher Gegenwind, mit 30kt. Ich kroch mit 60kt über Land, bin daher knapp 1,5h unterwegs gewesen. In Lydd war es sehr böig was die Landung „interessant“ gestaltete.

Dort wurde ich knapp 2 Stunden aufgehalten, was den Tag für mich etwas verdorben hat. Das Wetter weiter enroute war nicht mehr als besonders gut angesagt, ursprünglicher Plan war am ersten Tag nach Deutschland zu kommen.

Letztlich flog ich in Lydd ab, um über den Kanal und Frankreich bis Belgien zu kommen. Auf Grund des Gegenwindes hat das ca. 1h50Min gedauert. Und die schlechte Vorhersage weiter auf der Strecke sowie die fortgeschrittene Tageszeit ließen zur Einsicht gelangen, daß Belgien das Tagesziel bleibt.

In Kortrijk, Belgien konnte der Flieger draußen auf der Wiese angebunden werden und wurde morgens ordentlich von einer Eisschicht überzogen. Wohlweißlich hatte ich Gewebeband (Ducktape) dabei, um die Ritzen zuzukleben und auch Zurrzeug.

Direkt am Flughafen war ein Hotel mit warmer Wanne.

4. Belgien und Einflug nach Deutschland

Die Vorhersagen für Montag waren schlecht, mit niedrigen Untergrenzen und gefrierendem Nebel auf der ursprünglich geplanten Route nördlich um Eindhoven herum, in Richtung Stadtlohn.

Letztlich habe ich dann Sonntagabend alternativ geplant und bin zwischen Antwerpen und Brüssel durchgeflogen, teils durch die TMA, d.h. Luftraum C und südlich an Eindhoven vorbei zum Flugplatz Kempen Airport in Budel, was auch in der Kontrollzone vom Militärplatz Kleine-Brogel liegt, kurz vor Deutschland.

Das Wetter war dort brauchbar aufgegangen und der Flug dahin ging besser, als gedacht, da ich Glück hatte und zwischen den Schauern durchkam. In Budel gab es eine warme Suppe.

Es war früh am Tage und ich wollte noch weiterkommen. Der Anruf in Borkenberge war nicht optimistisch. Bielefeld war "isolated" und auch Münster nicht optimistisch. Insofern blieb Dinslaken - Schwarze Heide. Da wurde auch ein Hallenplatz angeboten, was die Entscheidung recht einfach machte.

Insofern kam ich bei recht schönem Wetter in Budel weg und bis kurz vor Dinslaken war es angenehm sonnig. Kurz davor sank die Untergrenze auf 700Fuß, Sichten waren aber bei ca. 8km, insofern war alles gut und man konnte an den Schornsteinen und Windrädern auch vorbei (in legalem Abstand).

Übernachtet habe ich diesmal in Bottrop – Kirchhellen, nahe dem Flugplatz und die Pawnee in der Halle.

5. Schwieriges Wetter in Deutschland

Die Aussicht für Dienstag war katastrophal, so sah es morgens auch aus. Der Optimismus stirbt zuletzt, daher war ich 09:30 Uhr am Flugplatz und wartete ab und habe die DWD-Seite und Flugplatz-homepage Bielefeld hypnotisiert.

Je weiter man nach Osten fliegt, desto dünner ist die Dichte geöffneter Verkehrslandeplätze. Zwischen Bielefeld und Magdeburg ist in der Tat nichts ohne PPR, ca. 115 NM.

Mindestziel war Bielefeld am Mittwoch, Borkenberge (auf der Strecke) sagte am Telefon es sei ausreichend Sicht und Untergrenze, war auch so und Bielefeld hat eine gute Homepage mit aktuellem Wetter, auch der Kollege war optimistisch, das der Nebel noch weiter wegzieht.

Es waren nur 45 Min Flug, die letzten 20 Min zwischen Borkenberge und Bielefeld waren echt spannend, VFR – Minima …. Bielefeld an sich war wieder brauchbar. Leider gab es keinen Hallenplatz, jedoch wieder viel Wiese, also wieder angebunden und alles zugeklebt, was ging.

Hier gab es kostenlos ein „Courtesy Car“, einen alten 500-er Mercedes. Das war echter Service.


Geschlafen habe ich wieder im Hotel, wissenend, daß die Meteogramme für Mittwoch und Donnerstag toll aussehen, jedoch bei den Temperaturen und geringen Unterschieden zum Taupunkt wieder hohe Nebelgefahr bestand. Es war trotz guter Vorhersage wackelig.

6. Ankunft in Bronkow

Insofern bin ich dennoch zeitig aufgestanden und auf meiner Bergseite des Hotels war es morgens klar. D.h. schnell raus und los zum Flugplatz, jedoch hieß es erstmal Eiskratzen am Auto… Das ging schnell und brachte mich dazu Frostlöser für Scheiben an einer Tankstelle zu kaufen, da ich mir den Flieger vorstellen konnte…

1 Stunde und 2 leere Flaschen später war dann endlich enteist und das Wetter war in Bielefeld Flugplatz noch gut, weiter westlich war Nebel.

Also gestartet, über den Berg und dann war ich schon über dem Nebel der östlichen Hangseite, mit einer Mega – Aussicht. Ich wußte, daß Magdeburg frei ist, da ich angerufen hatte und auch hier eine gute Homepage mit Wetter vorhanden ist.


Die Kante des Nebels konnte ich sehen, im Norden, gelegentlich gab es auch etwas Erdsicht, d.h. auch hier war ich selbstverständlich legal unterwegs und ich bin bei bestem Sonnenschein in Richtung Salzgitter, wo dann der Nebel auch weg zog, als ich an den Bergen vorbei war. Der Brocken schaute bei bestem Wetter in die Sonne.

In Magdeburg nochmal tanken und kurz mit dem Vorsitzenden des dortigen Vereins sprechen, der zufällig in der Flugleitung saß. Die Jungs suchen nach einer Alternative zu deren altem Schleppflugzeug, ungenannten Namens, polnischer Herkunft, weil sie es auch endlich kapiert haben.

Nach Bronkow war es nur noch ein Katzensprung von weiteren 90NM, wo mich Steffen K. erwartete und reinließ.

Alles zusammen war es eine echte Erfahrung und ein Abenteuer. Im Sommer, bei entsprechendem Wetter wäre alles an einem Tag zu schaffen gewesen, tröstlich…