Fliegerclub Bronkow e.V.

Abgekippt beim Streckenflug - Erfahrungsbericht


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Situationsbericht

Vor kurzem startete ich mit zwei Bronkower Teamkollegen (MK, 3J) zu einem 500km Dreieck. Da das Segelflugwetter auf der geplanten Strecke als gut bis sehr gut vorhergesagt war, tankten wir alle Wasser. Damit wir in etwa ähnliche Flugleistungen beim Vorflug und beim Kreisen haben, befüllten wir die Flieger bis wir Flächenbelastungen zwischen 40 und 42 kg/m² hatten. Ich betankte dazu meinen Jantar mit rund 60 Litern Wasser, einer Menge mit der ich allgemein und auch in dieser Saison schon öfter geflogen war und die für mich einen guten Kompromiss zwischen Wendigkeit und Vorfluggeschwindigkeit darstellen.

Nach rund zweieinhalb Stunden Aufgabenzeit und etwas mehr als 1/3 der Gesamtstrecke trafen wir auf eine Ka8, die in etwa in gleicher Höhe flog. Wir erkannten, dass es jene Ka8 war, die während der Zusammenlegung des LSV Neuhausen und des FC Bronkow an Schönhagen verkauft wurde. Entsprechend überrascht und erfreut unterhielten wir uns im Funk darüber, während wir eine vielversprechende Wolke anflogen. Ich erreichte den Aufwind unter der Wolke in ca. 950m, wobei 3J und MK rund 70m unter mir und ein paar hundert Meter hinter mir waren.

Die Ka8, die ich die ganze Zeit über im Blick hatte, flog in geschätzt 400m Entfernung etwas Höher links hinter mir. Ich zog hoch, wandelte wie üblich meine Fahrt in Höhe um und kreiste nach links ein.

Die Ka8 immer im Blick haltend beschlich mich kurz eine Unsicherheit, ob der Abstand tatsächlich für einen Vollkreis ausreichen würde. Es kam mir vor, als hätte dieser alte, sperrige Holzflieger einen leichten Schwenk in meine Richtung gemacht. Da mir an diesem Tag meist elegantere Leistungflugzeuge begegnet waren waren Geschwindigkeit, Entfernung und Sinkrate der Ka8 schwieriger einzuschätzen. Ich überlegte kurz aufzurichten, zog dann aber wieder in den Kreis hinein, da meine Einschätzung zu dem Ergebnis kam, das der Abstand sicher reichen sollte. Unvermittelt zog der Jantar plötzlich scharf nach Links, das Fahrtgeräusch nahm ab und die Nase senkte sich schlagartig.

Ich gab sofort Gegenseitenruder und ließ den Knüppel nach. Nach weniger als einer viertel Umdrehung war ich aus dem entstehenden Trudeln wieder raus und fing den Flieger ab. Während meine Nase nach unten zeigte sah ich eine der LS1 in ca. 100m Abstand unter mir durchrauschen. Ich flog kurz geradeaus um Abstand zu gewinnen, sortierte mich kurz und stieg dann etwas weiter unten in den bereits von den anderen dreien zentrierten Bart wieder ein und kommunizierte mein Missgeschick mit meinen Teamkollegen. Während der gesamten Sequenz kam keine Warnung vom Flarm.

Nachdem wir die Strecke geschafft hatten und wieder in Bronkow gelandet waren besprach ich den Vorfall mit meinen Teamkollegen. 3J hatte mich nicht genau wahrgenommen, aber in einen Segler mit hoher Geschwindigkeit durch den Aufwind rauschen sehen (ich im Abfangbogen). Seiner Ansicht nach bestand zwischen ihm und mir ein ausreichender Abstand. MK war noch im Geradeausflug und konnte mein Abkippen genau beobachten, wobei mein Flugweg nur marginal einem Abkippen geähnelt haben soll (lag vielleicht am Blickwinkel). Interessiert an der Wahrnehmung der Ka8 und der Frage, ob er mich vor sich überhaupt gesehen hatte versuchte ich herauszufinden, wer in dem Flieger gesessen hatte. Ein paar Tage später hatte ich die Information erhalten und konnte mich mit dem Piloten austauschen. Er bestätigte, mich beim Einkreisen gesehen zu haben. Den von mir wahrgenommenen Schwenk in meine Richtung konnte er nicht bestätigen. Eine IGC Datei hatte er leider nicht, dafür glücklicherweise aber ein Video, auf dem die gesamte Sequenz gut zu sehen war (siehe unten).

Bildreihe (Blick aus Ka8)

Einkreisen

leicht Aufrichten

Steiler einkreisen

Beginn Abkippen

Abkippen

Abkippen

Ausleiten

Abfangen

Fazit und Lektionen

Mit mehreren hundert Flugstunden auf dem Flugzeugtyp denke ich mein Flugzeug recht gut zu kennen und bin bis dato noch nie unbeabsichtigt abgekippt. Der Jantar zeigt es im Normalfall recht deutlich an, wenn er sich nahe an der Grenze bewegt. Auch mit Wasserballast war ich bis schon geflogen. Kreisen mit anderen Flugzeugen war mir aus diversen Wettbewerben vertraut.

Was war also anders?

- Die meisten Flüge mit Wasser habe ich allein bestritten oder mit höchstens einem Teampartner.

- Auf Strecke trifft man zumeist ähnlich leistungsfähige oder gar bessere Segler.

- Wir flogen schon länger mit guter Kommunikation im Dreierteam. Weiterer Segelflugverkehr hatte uns bis zu diesem Zeitpunkt nur kurz gekreuzt.

- Meine kurze Unsicherheit über Geschwindigkeit und Entfernung der Ka8 hatte mich wertvolle Zeit gekostet und nicht konsequent entscheiden lassen.

- Vermutlich habe ich beim steiler werden zuviel und zu abrupt Seitenruderausschlag in Kurvenrichtung gegeben, sodass der Jantar recht unvermittelt abkippte. Wenn ich "nur" zu langsam Kreise nickt der Flieger lediglich, schüttelt sich recht deutlich und verliert ein paar Meter Höhe bei der Fahrtaufnahme. Meine Geschwindigkeit betrug ca. 90 km/h.

Lektionen

- Bei kleinstem Zweifel über eine Situation defensiv fliegen. In diesem Fall hätte ich sicherheitshalber nach Rechts einkreisen und somit ganz sicher den Abstand vergrößern sollen. Bei Unsicherheit über die genaue Position meiner Teammitglieder, sollte ich weiter geradeaus fliegen und mich über Funk besprechen. Im schlimmsten Fall steige ich dann nachdem ich den Aufwind durchflogen und gewendet habe etwas tiefer in den Bart ein.

- Unsere jährliche Trudelübung im Verein ist GOLD wert. Als Fluglehrer trudle ich ohnehin relativ oft mit Schülern und Lizenzinhabern, aber genau diese Inübunghaltung hat mich ohne Nachzudenken aus dem Abkippen wieder herausgeholt.

- Auch im Teamflug gibt ein gewisser Abstand, speziell im Anflug auf einen Aufwind, die nötige Sicherheit.

- Kommunikation ist der Schlüssel. Mein Team kann mir Positionen und Einschätzungen durchgeben, nach denen ich fehlende Informationen in meine Entscheidungen einfließen lassen kann.

Letztendlich schien die Situation im Nachhinein weniger kritisch zu sein, als ich sie im Flug wahrgenommen habe. Die Abstände waren soweit ausreichend und die Situation schnell entschärft. Die konsequente Auswertung soll dazu dienen, dass mir und auch anderen noch ein langes Fliegerleben beschert wird.

Bewegtes Bild

(nicht in Originalgeschwindigkeit)